6. GASTHAUS ZUM GOLDENEN LÖWEN, FAHRGASSE 27

 Er befandsich auf der Flucht von Potsdam, wo er bei Friedrich dem Großen in Ungnade gefallen war. Schon am Tag nach seiner Ankunft wurde er aufgegriffen und unter Hausarrest gestellt, später aber wieder freigelassen. SolcheUnannehmlichkeiten blieben der Familie Mozart naturgemäß erspart.In der Fahrgasse 41 (heute Nr. 27), stand das Gasthaus «Zum Goldenen Löwen», eine der vornehmsten Adressen in Frankfurt. Das Haus wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach umgebaut. Heute erinnern nur noch ein steinernes Löwenrelief mit einer Inschrift und der (1781 angebrachte) Löwenbrunnen an das einstmals berühmte Gasthaus.

Es war üblich, daß Konzertkarten dort gekauft wurden, wo die Künstler wohnten – und so erschien es Leopold Mozart opportun, hier ein standesgemäßes Quartier zu beziehen. Im «Goldenen Löwen« machte die Familie allerlei interessante Bekanntschaften: So berichtet Leopold Mozart von einem «Frauen Zimmer amazonisch gekleidet», das mitsamt «Cammermädl», Kutscher und Bedientem in angetrunkenem Zustand ins Gasthaus kam, oder von seinen Mitbewohnern, unter ihnen der Churtrierische Gesandte, ein Braunschweigischer Husaren-Rittmeister und drei Engländer. Einer von ihnen pflegte vor dem Essen im Main zu baden und dann naß «wie eine getaufte Maus» im Speisesaal zu erscheinen. Frankfurt war – mit Ausnahme von Augsburg, von wo Leopold Mozart stammte – die einzige Station auf der großen Reise, die keine fürstliche Hofhaltung aufzuweisen hatte. Frankfurt war «Freie Reichsstadt» und ein internationales Handelszentrum. Die Fremden, die Händler und nicht zuletzt die Juden, die in ihrem eigenen Viertel wohnten, brachten Leben in die Stadt. Während der Messen herrschte hier ein buntes Treiben.

Der steinerne Löwe im Portal der Fahrgasse 27 erinnert noch heute an die große Vergangenheit des Hauses.Allerdings stand es 1763, als die Familie Mozart zu Gast war, wirtschaftlich nicht gerade zum Besten: Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges waren die französischen Truppen, die jahrelang in Frankfurt stationiert gewesen waren, abgezogen und hatten eine schmerzliche Lücke im Wirtschaftsleben der Stadt hinterlassen. Im August 1763 erschütterte der ungeheure Bankrott der Gebrüder de Neufville in Amsterdam die Finanzmetropole und führte zu einer schweren Geldkrise. Dreißig Handelshäuser gingen allein in Frankfurt, 95 weitere in Hamburg bankrott. «Nun trauet hier keiner dem anderen, bis man besser weiß, wie tief ein und anderer stecket», schrieb Leopold Mozart nach Hause.