7. SCHÄRFENGÄSSCHEN/ ECKE HOLZGRABEN

 Vater Leopold spielt die Geige, Schwester Nannerl singt, Wolfgang spielt Klavier. Stich von J. B. Delafosse nach einem Bild von L. C. de Carmontelle (1763/64).Dem Erfolg der Mozartschen Konzert-Unternehmung in Frankfurt tat dies offenbar keinen Abbruch. Die Frankfurter liebten die Musik, wie der Chronist Johann Bernhard Müller schon 1750 versichert:

«Die Musik-Liebhaberei ist auch allhier sehr groß. Diese edle Belustigung ist, seitdem der berühmte Herr Telemann hier gewesen, in große Aufnahme gekommen. Es sind wenig angesehene Familien, da nicht die Jugend auf einem oder dem anderen Instrument oder im Singen unterwiesen wird. Die Konzerte sind deswegen sowohl öffentlich als in vornehmen Häusern sehr gewöhnlich und lassen sich dabei insgemein auch fremde und berühmte Virtuosen hören, wenn sie hier durchreisen und sich hier aufhalten.»

Die Konzertankündigung Leopold Mozarts in den «Frankfurter Frag- und Anzeigungsnachrichten» vom 16. August 1763. In einer zweiten Ankündigung vom 30. August ist von der «allgemeinen Bewunderung, welche die noch niemahls in solchem Grade weder gesehene noch gehörte Geschicklichkeit der 2 Kinder desHochfürstl. Saltzburgischen Capellmeisters Herrn Leopold Mozart, in den Gemüthern aller Zuhörer erwecket», die Rede.Zu dieser «edlen Belustigung» wollte auch die Familie Mozart beitragen – so kündigten sie für den 18. August in den «Frankfurter Frag- und Anzeigungs-Nachrichten» ihr Konzert an.

Das Konzert fand im «Scharffischen Saal» hinter dem Liebfrauenberg statt. Heute steht hier ein schmuckloses Haus mit grünen Metalltüren;gegenüber befindet sich das Kapuzinerkloster mit seinem idyllischen Innenhof. Der «Scharffische Saal» lag an der Rückfront von Frau Scharffs Weinwirtschaft im «Haus zum Spangenberg». Sein Inhaber hatte ihn «mit allen nur ordentlichen und erforderlichen Bequemlichkeiten, sowohl zu Hochzeiten, Baals, Concerten als auch anderen erlaubten Lustbarkeiten» ausgerüstet, «mit einem bretternen Fußboden versehen, und mit zwey großen Cristallen-Lüstres, und achtzehn versilberten Wandleuchtern, nebst erforderlichen sauberen Stühlen ausgezieret».

Leopold Mozarts Reisetagebuch mit den tabellarischen Aufzeichnungen zu seinem Frankfurter Aufenthalt. Hier sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und die bedeutendsten Personen verzeichnet.Ursprünglich war nur ein Konzert vorgesehen, doch daraus wurden vier – man stand um die Konzertkarten Schlange. Unter den Zuhörern der vier Konzerte befand sich auch der Kaiserliche Rat Johann Caspar Goethe mit seinem vierzehnjährigen Sohn.

«Ich habe Mozart als 7 jährigen Knaben gesehen, wo er auf einer Durchreise ein Konzert gab. Ich selber war etwa 14 Jahre alt, und ich erinnere mich des kleinen Mannes in seiner Frisur und Degen noch ganz deutlich… » (Johann Wolfgang Goethe zu Johann Peter Eckermann, 3. Februar 1830)

Zwischen den Konzerten blieb der Familie Zeit für Spaziergänge und Besichtigungen. Leopold Mozarts Reisetagebuch führt die Sehenswürdigkeiten auf: die Schnurgasse (sie ist auf dem Merianplan noch zu sehen, wurde später jedoch überbaut), die Zeil (wo schon damals wichtige Handelshäuser standen), den Roßmarkt und den Markt, natürlich den Römerberg und den Liebfrauenberg, die Kapuziner- und die Dominikanerkirche, die alte Mainbrücke, die Vorstadt Sachsenhausen mit dem Deutschordenshaus und schließlich das Forsthaus außerhalb der Stadt – ein beliebtes Ausflugsziel. Im 18. Jahrhundert versammelte sich hier das Gefolge des Kaisers und der Fürsten zum feierlichen Einzug anläßlich der Krönungen.

So sieht es im Schärfengäßchen/Ecke Holzgraben heute aus.Leopold Mozart knüpfte in den reichen Bürgerhäusern wichtige Kontakte. Fast alle bedeutenden Honoratioren der Stadt waren Besucher der Konzerte gewesen oder hatten die Mozarts zu sich eingeladen, darunter der Kaiserliche Gesandte Johann Anton von Pergen, der Bürgermeister Johann Isaac Mohrs, kirchliche Würdenträger wie Damian Friedrich Dumeiz, Komponisten wie David Otto, Johann Christoph Fischer und Maestro Francesco Maggiore, Bankiers und Händler wie die Gebrüder Bethmann, Angehörige der Familie Sarasin und Abraham Chiron (um nur einige zu nennen). Eine unbekannte Frankfurter Kaufmannsgattin gab Leopold einen Empfehlungsbrief an den diplomatischen Agenten Friedrich Melchior Grimm mit; er sollte ihm später in Paris alle Türen öffnen.

Am 31. August 1763 fuhr die Familie mit dem Marktschiff zurück nach Mainz.Von dort ging es weiter über viele Stationen – so auch nach London und nach Paris.