Salon kontrovers<br>Briefe – schreiben und lesen

Salon kontrovers
Briefe – schreiben und lesen
Am Donnerstag, 11. Dezember 2014, 19.30 Uhr
Holzhausenschlösschen

Diese Veranstaltung ist bereits vorüber.

Konzeption: Hanne Kulessa

Der Brief solle „eine Nachahmung des Gesprächs“ sein, forderte Christian Fürchtegott Gellert in seiner 1751 erschienenen Schrift „Briefe, nebst einer praktischen Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen“. Im 18. Jahrhundert hatte man nicht nur von Briefen, sondern auch von Gesprächen eine andere Vorstellung als heute. Wir plaudern in formlosen E-Mails, mit Kürzeln und, wenn das „Gespräch“ richtig in Gang ist, ohne Anfang und ohne Ende. Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach, das nicht nur Werke, sondern auch Briefwechsel von Verlagen, Schriftstellerinnen und Schriftstellern sammelt und archiviert, hat inzwischen einen Maschinenraum einrichten müssen: für die Festplatten, bzw. die kompletten Computer der Autoren und Autorinnen. In der Reihe »Briefe – schreiben und lesen« werden Briefe/Briefwechsel von bekannten oder weniger bekannten Schriftstellern und Schriftstellerinnen vorgestellt: wir beginnen mit den handgeschriebenen, manchmal tintenbeklecksten Papieren.

„Andere brauchen Sie nicht so nötig als ich“
Briefe von Ludwig Börne und Jeanette Wohl-Strauß

Ludwig Börne, 1786 in Frankfurt am Main, in der Judengasse geboren, lernte 1816 die ebenfalls im jüdischen Ghetto geborene Jeanette Wohl kennen. Jeanette hatte bereits eine Ehe und Scheidung hinter sich, Börne war während seines Berliner Aufenthaltes himmelhochjauchzend in Henriette Herz verliebt gewesen. Aus der Frankfurter Begegnung mit Jeanette Wohl entstand eine lebenslange Freundschaft, eine Liebe, die fast alles beinhaltete: Jeanette wurde für Börne Freundin, Mutter, Muse, Kritikerin; ohne sie, ohne ihre Anregungen und ihre Fürsorge wären, z.B., seine „Briefe aus Paris“ nie entstanden. Eine Heirat war aus mehreren Gründen nicht möglich. Und doch lebten sie schließlich – zu dritt – in einer Wohngemeinschaft oder vielleicht einer „Ménage-à-trois“ in Paris: Börne, Jeanette und ihr zweiter Ehemann Salomon Strauß, ebenfalls ein Börne-Verehrer. Jeanette pflegte den kranken Börne bis zu seinem Tod 1837. Sie und Strauß wurden Nachlassverwalter von Börnes Werk.

Briefe von Ludwig Börne und Jeanette Wohl lesen

Ulrich Noethen und Birgitta Assheuer.

Ulrich Noethen, Theater-, Filmund Fernseh-Schauspieler, Sprecher zahlreicher Hörbücher, wurde 1959 in München geboren. Er lebt heute in Berlin. Für seine schauspielerische Arbeit wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, u.a. für „Comedian Harmonists“, „Die Luftbrücke“, „Silberhochzeit“, „Mein Führer“, „Kommissar Süden und der Luftgitarrist“, „Die Unsichtbare“.

Birgitta Assheuer ist Sprecherin in Kultur- und Literatursendungen der Rundfunkanstalten, bei Musik- und Literaturfestivals, als Erzählstimme in Kino- und Fernsehdokumentationen. Für Hörbuchverlage liest sie Romane und Lyrik.