Otto Julius Bierbaums „Die Schlangendame“ – ein frivoler Roman aus dem Jahre 1896 zum Wiederentdecken, Staunen und Schmunzeln<br>Grammophon-Lesung mit Jo van Nelsen

Otto Julius Bierbaums „Die Schlangendame“ – ein frivoler Roman aus dem Jahre 1896 zum Wiederentdecken, Staunen und Schmunzeln
Grammophon-Lesung mit Jo van Nelsen
Am Donnerstag, 17. Januar 2019, 19.30 Uhr
Jo van Nelsen © Katrin Schander

Der satirische Roman „Die Schlangendame“ ist eine literarische Perle, die in Sujet und Atmosphäre Heinrich Manns „Professor Unrat“ (aka „Der Blaue Engel“) und Kurt Tucholskys „Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte“ vorwegnimmt: Mathilde Holunder, gefallene Pfarrerstochter, verdingt sich in einem Varieté als biegsame „Schlangendame“. Dort trifft sie auf den leichtlebigen Studenten Brock, mit dem sie ein Liebesverhältnis gegen jede Konvention eingeht – um über viele Umwege schließlich doch im Hafen der Ehe zu landen.
Ebenso unkonventionell der Autor der „Schlangendame“: Als Otto Julius Bierbaum 1910 mit nur 44 Jahren in Dresden stirbt, gilt er als einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren – heute ist er fast vergessen. Vielleicht, weil er wie kaum ein zweiter am Puls seiner Zeit lebte: Er ist Vordenker des deutschen Kabaretts in seinem Roman „Stilpe“; der erste Automobilist, der 1903 die Alpen überquert, darüber einen höchst vergnüglichen Bericht schreibt und damit das erste Autoreisebuch der deutschen Literatur schafft; Förderer der modernen Literatur- und Kunstszene durch die Gründung diverser Zeitschriften (aus einer geht der noch heute existierende Insel Verlag hervor); ein Mann, der nachts arbeitet und tagsüber schläft, wie besessen sein Privatleben und seine Gesundheit opfert für die Dinge, die ihm JETZT wichtig erscheinen, der unbedingt Chronist seiner Zeit sein will. 2015 jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal – ein willkommener Anlass, wieder an diesen einzigartigen Spötter des Kaiserreichs zu erinnern.

Mehr zu Otto Julius Bierbaum bei Wikipedia.

Der Grundgedanke der Grammophonlesungen, nämlich den Soundtrack zum Text direkt aus dem Trichter kommen zu lassen, wird bei dieser Lesung noch durch Einspieler früher Stummfilme ergänzt, die Original-Varieté-Nummern der Jahrhundertwende zeigen. Freuen Sie sich auf einen Abend voller Schlangendamen, Serpentinentänzerinnen, stimmungsvoller Walzer und dem Schmelz des Jahrhunderttenors Enrico Caruso.

Projektleitung: Frankfurter Bürgerstiftung
Förderer: Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung

Kategorie05/04/03/02/01
Eintritt€ 12/€ 17/€ 23/€ 28
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