Veranstaltungssaal © Walter Dorn

freiheitsKlang – Grunelius-Konzerte

Kammerkonzert mit Tobias Feldmann (Violine) und Alexander Krichel (Klavier)
  • Mittwoch, 13. Mai 2026 – 19.30 Uhr

Holzhausenschlösschen
Justinianstraße 5
60322 Frankfurt am Main

Tobias Feldmann © Andrej Grilc

Eintritt: € 43,- (Parkett, Reihe 1-5) / € 26,- (Parkett, Reihe 6 und Fensterbänke) / € 15,- (Empore, eingeschränkte Sicht)

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(2025. Bürgerkonzert)

Programm


Nicola Matteis d. J. (1677-1737)
Fantasie a-Moll für Violine solo „Alia Fantasia“

Clara Schumann (1819-1896)
Drei Romanzen für Violine und Klavier, op. 22

Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Sonate F-Dur für Klavier und Violine, op. 24 „Frühlingssonate“

Pause

Franz Liszt (1811-1886)
Ballade Nr. 2 in h-Moll „Hero und Léandre“

Albert Dietrich (1829-1908) / Robert Schumann (1810-1856) / Johannes Brahms (1833-1897)
Sonate für Violine und Klavier, „FAE-Sonate“

Besetzung


Tobias Feldmann (Violine)
Alexander Krichel (Klavier)

Zum Programm


Im Rahmen der Konzertreihe „freiheitsKlang“ lädt unser Programm zu einer musikalischen Erkundung des Begriffs der Freiheit ein – einer Idee, die sich in der Musik nicht nur als politisches oder gesellschaftliches Ideal, sondern auch als künstlerischer Impuls, als persönlicher Ausdruck und als Moment kreativer Grenzüberschreitung manifestiert. Die ausgewählten Werke spannen dabei einen Bogen über mehrere Jahrhunderte und zeigen, wie unterschiedlich Komponistinnen und Komponisten Freiheit erfahren, behaupten oder gestalten.

Den Auftakt bildet die Alia Fantasia für Violine solo von Nicola Matteis. Die Fantasie als Gattung steht seit jeher für musikalische Freiheit: Sie löst sich von strengen Formen und eröffnet Raum für improvisatorische Gesten, spontane Einfälle und virtuose Entfaltung. In Matteis’ Werk erscheint die Violine als Stimme individueller Ausdruckskraft – frei von Begleitung, allein im Raum. Diese musikalische Selbstständigkeit lässt sich als frühes Beispiel jener künstlerischen Freiheit verstehen, die im Barock zunehmend an Bedeutung gewann.

Mit den drei Romanzen op. 22 von Clara Schumann rückt eine andere Dimension der Freiheit in den Mittelpunkt: die persönliche und künstlerische Selbstbehauptung. Clara Schumann war nicht nur eine der bedeutendsten Pianistinnen des 19. Jahrhunderts, sondern auch eine Komponistin, die sich in einer Zeit stark eingeschränkter Möglichkeiten für Frauen eine eigene Stimme erkämpfte. Die Romanzen zeichnen sich durch intime Ausdruckskraft, lyrische Freiheit und ein sensibles Wechselspiel zwischen Violine und Klavier aus. In ihnen wird Freiheit zu einer inneren Haltung – zu einem Raum poetischer Empfindung, der sich jenseits gesellschaftlicher Begrenzungen entfaltet.

Auch die Sonate Nr. 5 in F-Dur op. 24 „Frühlingssonate“ von Ludwig van Beethoven ist von einem Geist der Befreiung geprägt. Schon der Beiname „Frühling“ verweist auf Aufbruch, Erneuerung und Lebendigkeit. Beethoven erweitert in dieser Sonate die Rolle der Violine gegenüber früheren Modellen zu einer gleichberechtigten Partnerin des Klaviers. Die Musik atmet Weite und Beweglichkeit; ihre melodische Offenheit und ihr dialogischer Charakter lassen sich als Ausdruck jener künstlerischen Emanzipation verstehen, die Beethovens Werk insgesamt prägt.

Nach der Pause führt die Ballade Nr. 2 in h-Moll „Hero und Léandre“ von Franz Liszt in eine ganz andere Klangwelt. Das Werk ist von der antiken tragischen Liebesgeschichte von Hero und Leander inspiriert. Liszt erzählt diese Geschichte nicht mit Worten, sondern allein durch Musik: ruhige, nachdenkliche Passagen wechseln sich mit dramatischen und virtuosen Abschnitten ab. Dabei nutzt Liszt die klanglichen Möglichkeiten des Klaviers sehr frei und farbenreich. Diese Freiheit im Umgang mit Form und Ausdruck ist typisch für die Musik der Romantik und zeigt, wie sehr sich Komponisten dieser Zeit von festen musikalischen Regeln lösen wollten.

Den Abschluss bildet die sogenannte FAE-Sonate, ein Gemeinschaftswerk von Albert Dietrich, Robert Schumann und Johannes Brahms. Sie entstand 1853 als musikalisches Geschenk für den Geiger Joseph Joachim, dessen Lebensmotto „Frei aber einsam“ (F.A.E.) dem Werk seinen Namen gab. In dieser ungewöhnlichen Zusammenarbeit verbinden sich drei individuelle kompositorische Handschriften zu einem gemeinsamen Ganzen – ein Beispiel künstlerischer Freiheit im Dialog. Zugleich verweist das Motto auf die Ambivalenz der Freiheit: Sie bedeutet Selbstbestimmung, kann aber auch Einsamkeit mit sich bringen.
So zeigt dieses Programm Freiheit in vielen Facetten: als improvisatorische Offenheit, als persönliche Selbstbehauptung, als künstlerische Emanzipation, als romantische Grenzüberschreitung und als existenzielles Lebensmotto. In der universellen Sprache der Musik wird der Freiheitsgedanke damit nicht nur thematisiert, sondern unmittelbar erfahrbar gemacht.

Tobias Feldmann & Alexander Krichel

Die Mitwirkenden


Vom britischen Telegraph als eine „echte Entdeckung“ mit „entzückend, makelloser Lyrik“ gefeiert, gilt der deutsche Geiger Tobias Feldmann als eine der interessantesten musikalischen Persönlichkeiten seiner Generation. Seine facettenreichen Auftritte zeichnen sich durch stilistische Vielseitigkeit, starke Bühnenpräsenz und emotionale Tiefe aus.

Nach seinem Debüt bei den BBC Proms in der Royal Albert Hall im Jahr 2024 mit dem BBC Philharmonic (Beethoven) unter der Leitung von Anja Bihlmaier wird er in der Saison 2024/25 sein Debüt bei der Filharmonia Śląska (Beethoven) und beim Gävle Symfoniorkester mit Chloé van Soeterstède geben. Tobias folgt außerdem Wiedereinladungen zum Residentie Orkest (Schumann) unter der Leitung von Richard Egarr, dem Niedersächsischen Staatsorchester Hannover mit Schumanns Violinkonzert unter der Leitung von Stephan Zilias sowie zum Presidential State Symphony Orchestra nach Ankara.

Im Bereich der Kammermusik wird er sein Debüt im Louisiana Museum of Modern Art (DK) sowie ein Solo-Bach-Rezital im Schumann-Haus in Leipzig geben. Darüber hinaus ist er erneut beim Music Festival Pohang in Südkorea zu hören.

Zu den vergangenen Konzerthighlights gehören für den Preisträger des Internationalen Königin-Elisabeth-Wettbewerbs, des Deutschen Musikwettbewerbs und des Internationalen Joseph-Joachim-Violinwettbewerbs Auftritte mit international renommierten Klangkörpern wie dem Minnesota Orchestra, Konzerthausorchester Berlin, WDR Sinfonieorchester, der NDR Radiophilharmonie Hannover, Orquestra Simfònica de Barcelona, BBC Scottish Symphony, BBC National Orchestra of Wales, Bournemouth Symphony, Helsinki Philharmonic, Residentie Orkest, Concertgebouw Chamber Orchestra, Ensemble Resonanz, Moscow State Symphony, Brussels Philharmonic, Utah Symphony und dem Orchestre Symphonique de Québec. Zusammengearbeitet hat er dabei unter anderem mit Nathalie Stutzmann, David Afkham, Marie Jacquot, John Storgårds, Nicholas Collon, Lorenzo Viotti, Reinhard Goebel, Fabien Gabel, Joana Mallwitz, Thomas Guggeis, Oksana Lyniv und Marin Alsop.

Als leidenschaftlicher Kammermusiker trat er u.a. im Wiener Konzerthaus, im Concertgebouw Amsterdam, bei der Schubertiade Schwarzenberg, beim Vinterfest, bei den Rheingau und Lockenhaus Festivals sowie in der Wigmore Hall auf. Zu seinen musikalischen Partnern zählten dabei Martin Helmchen, Timothy Ridout, Kian Soltani, Christian Tetzlaff, Nicolas Altstaedt, Jean-Guihen Queyras und Tabea Zimmermann. Mit der Bratschistin Lise Berthaud und dem Cellisten Julian Steckel spielt er außerdem in einem festen Streichtrio.

Seine Diskografie umfasst Aufnahmen für GENUIN und Alpha Classics, darunter eine Veröffentlichung mit Violinkonzerten von Sibelius und Rautavaara, aufgenommen mit dem Orchestre Philharmonique Royale de Liège unter der Leitung von Jean-Jacques Kantorow. Im Mai 2025 erscheint seine Einspielung eines Violinkonzerts von Mozart in Zusammenarbeit mit dem WDR Sinfonieorchester und Reinhard Goebel für Hänssler Classics.

Im Alter von 26 Jahren wurde Tobias Feldmann als Professor an die Hochschule für Musik Würzburg berufen und war damit einer der jüngsten Professoren in der Geschichte Deutschlands. Auf Einladung der Berliner Philharmoniker war er aushilfsweise als 1. Konzertmeister tätig und ist seit Oktober 2022 Professor an der renommierten Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig, Deutschland.

Er spielt auf einer Violine von Nicolò Gagliano, Neapel 1769.

Tobias Feldmann © Andrej Grilc

ECHO Klassik-Preisträger Alexander Krichel ist bekannt für seine fesselnden Interpretationen der anspruchsvollsten Werke der Klavierliteratur.

Mit Vladimir Krainev und Dmitri Alexeev als Lehrer hat die russische Schule Krichel besonders beeinflusst. Sein Album My Rachmaninoff (2023) hob die F.A.Z. als eine von drei herausragenden Aufnahmen des Jubiläumsjahres besonders hervor.

In dieser Saison spielt Alexander Krichel sowohl das 2. Klavierkonzert des Komponisten auf Tournee mit der NDR Radiophilharmonie und Stanislav Kochanovsky, sowie sein 3. Klavierkonzert mit dem Brandenburgischen Staatsorchester und Sebastian Weigle.

Ein weiterer Saison-Schwerpunkt liegt bei Maurice Ravel. Krichels Album Miroirs wurde vom International Piano Magazine als „derer Osbornes, Pogorelichs und Argerichs ebenbürtig“ beschrieben. Den 150. Geburtstag des Komponisten beging er mit den drei großen Solo-Zyklen in Hamburgs Elbphilharmonie und bei BASF, sowie dem G-Dur-Konzert mit dem Brandenburgischen Staatsorchester unter Steven Sloane und mit dem Beethoven-Orchester Bonn unter Dirk Kaftan.

Als Artist in Residence beim Brandenburgischen Staatsorchester ist er außerdem mit Brahms’ 2. Klavierkonzert (D. Beykirch), Chopins Klavierkonzert Nr. 1 (F. Mildenberger) und Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 (A. Skryleva) zu hören. Mit letzterem kehrt er auch zur Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz (J. Rachlin) zurück.

Alexander Krichel spielte in der Philharmonie und im Konzerthaus in Berlin, der Tonhalle Zürich und im Konzerthaus als auch im Musikverein Wien, ebenso wie in den renommierten Konzertsälen von New York, London, Kapstadt, Tokyo u. v. m., sowie mit Orchestern wie u. a. den Bamberger Symphonikern, dem hr-Sinfonieorchester, Sinfonieorchester Basel, Tokyo Symphony Orchestra, Kyoto Symphony Orchestra und den Festival Strings Lucerne. Er trat mit Dirigenten wie Jonathan Nott, Michael Sanderling, Gabriel Feltz, Wojciech Rajski, Markus Poschner und vielen anderen auf.

Eine enge Zusammenarbeit verbindet ihn mit Tobias Feldmann, Maximilian Hornung sowie mit dem Shanghai String Quartet, dem Goldmund Quartett, Amaryllis Quartet, Minguet Quartett und dem Streichquartett der Berliner Philharmoniker.

Krichel ist Künstlerischer Leiter des Festivals „Kultur Rockt“, der „Kammermusik am Hochrhein“ und der Reihe „Junge Pianisten Elite Solingen“ sowie Jurymitglied des Fanny Mendelssohn Förderpreises.

Alexander Krichel © Jan Prengel

Gesamtleitung: Frankfurter Bürgerstiftung
Förderer: Ernst Max von Grunelius-Stiftung
Weiterer Förderer: Freundes- und Förderkreis der Frankfurter Bürgerstiftung

Ernst Max von Grunelius-StiftungFreundes- und Förderkreis der Frankfurter Bürgerstiftung