Viele Luftballons beim Sommerkinderfest am Holzhausenschlösschen
Kinderfest

Musikstadt Frankfurt: Musik unter dem Hakenkreuz

Das Frankfurter Musikleben zwischen 1939 und 1945. Vortrag von Dr. Ulrike Kienzle
  • Montag, 21. November 2022 – 19.30 Uhr

Börneplatzsynagoge © Institut für Stadtgeschichte

Eintritt frei, freie Platzwahl (Plätze auf der Empore sind mit eingeschränkter Sicht), Anmeldung erforderlich (zum Anmeldeformular gelangen Sie über den ganz unten stehenden Link).

Darüber hinaus werden wir über die Mediathek unserer Website am Veranstaltungstag einen kostenfreien Livestream des Vortrags anbieten. Zum Livestream gelangen Sie hier.

Man mag es kaum glauben, aber dieselben Musikerinnen und Musiker, denen die kunstbegeisterte Frankfurter Bürgerschaft noch bis zum Beginn der 1930er Jahre allabendlich zugejubelt hatte, wurden von heute auf morgen verfemt und verfolgt. Nach der beispiellosen Blüte der Moderne in der Weimarer Republik rissen die Nationalsozialisten das Steuer herum. Die Protagonisten der Neuen Musik, aber auch hochverdiente Kräfte von Oper, Konzert, Konservatorium und Rundfunk wurden, sofern sie dem neuen Regime aufgrund ihrer jüdischen Herkunft oder politischen Überzeugung unliebsam erschienen, entlassen und erbarmungslos verfolgt. 1938 brannten in ganz Frankfurt die Synagogen, das reiche jüdische Musikleben wurde ausgelöscht. Der jüdische Kulturbund hatte zuvor noch versucht, mit eigenen Konzerten von Juden für Juden eine Art Parallelgesellschaft zu etablieren. Manchen gelang die Flucht ins Exil; der Chefdirigent der Oper Wilhelm Steinberg zum Beispiel machten in den USA Karriere. Die berühmte Altistin Magda Spiegel dagegen blieb in Frankfurt und wurde, wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen, 1842 in Konzentrationslager deportiert. Siegfried Würzburger, Organist der liberalen Westend-Synagoge, ereilte das gleiche Schicksal. Die Spielpläne wurden gleichgeschaltet. Nichts erinnerte mehr an den Pioniergeist der 1920er Jahre. Der Vortrag beleuchtet diese Umbrüche und erzählt ausgewählte Einzelschicksale. Dabei werden auch originale Tondokumente der Zeit präsentiert.

PD Dr. Ulrike Kienzle © PD Dr. Ulrike Kienzle

Dr. Ulrike Kienzle ist Privatdozentin für Musikwissenschaft und arbeitet als freie Autorin und Forscherin, als Kuratorin und Dozentin. Sie hat zahlreiche Veröffentlichungen über Richard Wagner, Franz Schreker, Robert und Clara Schumann, Giuseppe Sinopoli sowie über das Musikleben von der Goethezeit bis zur Gegenwart vorgelegt. Sie ist Ko-Kuratorin für Musik im Deutschen Romantik-Museum und Dramaturgin der Brentano-Akademie Aschaffenburg. Seit 2021 realisiert sie in der Alten Oper Frankfurt die Reihe „Kienzles Klassik: Musikseminare für Wissbegierige“. Im Auftrag der Frankfurter Bürgerstiftung hat sie die beiden Ausstellungen Drei Generationen Mozart in Frankfurt (2005) und Robert und Clara Schumann in Frankfurt (2010) kuratiert, 2013 eine Studie über die Frankfurter Mozart-Stiftung vorgelegt und 2014 ein von ihr wiederentdecktes Streichquartett von Max Bruch herausgegeben. 2019 kuratierte sie die vielbeachtete Ausstellung „Clara Schumann: Eine moderne Frau im Frankfurt des 19. Jahrhunderts“ im Institut für Stadtgeschichte. Seit 2021 erforscht sie im Auftrag der Frankfurter Bürgerstiftung die Musikstadt Frankfurt. Flankiert wird das umfangreiche Projekt von Online-Essays, Vorträgen, Konzerten und Teilausstellungen. Zum Abschluss wird sie 2026 eine zweibändige Buchpublikation vorlegen.

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Gesamtleitung: Frankfurter Bürgerstiftung
Förderer: Adolf Christ Stiftung, Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung, Freundes- und Förderkreis der Frankfurter Bürgerstiftung

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