Das Holzhausenschlösschen im Holzhausenpark © Christopher Martin

Salon kontrovers: Briefe – schreiben und lesen

100. GEBURTSTAG SIEGFRIED UNSELD // Aus dem Briefwechsel zwischen Siegfried Unseld und Wolfgang Koeppen
  • Montag, 7. Oktober 2024 – 19.30 Uhr

Holzhausenschlösschen
Justinianstraße 5
60322 Frankfurt am Main

Siegfried Unseld und Wolfgang Koeppen © Christian Höhn (Unseld), Fotograf unbekannt (Koeppen); mit frdl. Genehmigung des Suhrkamp Verlags

Eintritt € 14,- (Parkett, Reihe 1-5) / € 10,- (Parkett, Reihe 6 und Fensterbänke) / € 5,- (Empore, eingeschränkte Sicht)

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Darüber hinaus werden wir über die Mediathek unserer Website am Veranstaltungstag einen kostenfreien Livestream der Veranstaltung anbieten. Zum Livestream gelangen Sie hier.

Die Besetzung wird später bekannt gegeben.
Konzeption und Einführung: Ruthard Stäblein

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„Den schönen Herbst Deiner Briefe wieder verspielt!“ – klagt der Autor Wolfgang Koeppen sich in einem Brief an seinen Verleger Siegfried Unseld vom Oktober 1979 selbst an. Seit 20 Jahren hofft Unseld auf einen von Koeppen immer wieder versprochenen neuen Roman. Und er wird noch weitere 17 Jahre – bis zum Tod des Autors – vergeblich warten.

Statt des Romans entsteht unterdessen ein Briefwechsel, der die Form einer menschlichen und literarischen Tragikomödie annimmt. Der Verleger ermuntert. Der Autor vertröstet. Der Verleger baut auf. Der Autor baut ab. Irgendwann müssen die beiden gespürt haben, dass sie voreinander Theater spielen. Koeppen hat stets Pläne und Titel im Kopf. „Rundum. Eine Weltreise“ will er per Flug vorbereiten. Unseld vergibt einen Vorschuss. Der Roman erscheint nie. So geht das hin und her zwischen Ermahnung und Vertröstung, Erwartung und Enttäuschung. Koeppen zweifelt selbst an seinen Ideen und verzweifelt vor dem leeren Blatt. Und er hat viele Ausreden parat. Die Gewichtigste ist seine alkoholkranke Frau, um die er sich sorgt.

Dennoch erhält der Verleger einen Trost und seinen Gewinn, die Rechte an Koeppens früheren, erfolgreichen Romane und am Gesamtwerk. Aber ist am Ende nicht der Briefwechsel selbst ein Roman in Fortsetzung, in Dialogen, bis der Tod sie scheidet? – Ein literarisches Blend- und Meisterwerk, Verwirr- und Versteckspiel; das Zeugnis eines Verlegers, der nicht aufgibt, obgleich er keine Chance mehr sieht, eine Komödie vor tragischem Hintergrund.

Ruthard Stäblein

Gesamtleitung: Frankfurter Bürgerstiftung
Förderer: Dr. Marschner Stiftung

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