Emil Mangelsdorff
Emil Mangelsdorff

Musikstadt Frankfurt: Die Geburt der Moderne

Das Frankfurter Musikleben der Weimarer Republik. Vortrag von PD Dr. Ulrike Kienzle
  • Donnerstag, 14. Juli 2022 – 19.30 Uhr

Max Beckmann: Stillleben mir Saxophonen, 1926 © Städel Museum Frankfurt am Main

Eintritt frei, freie Platzwahl (Plätze auf der Empore sind mit eingeschränkter Sicht), Karten können über den ganz unten stehenden Link bestellt werden.

Darüber hinaus werden wir über die Mediathek unserer Website am Veranstaltungstag einen kostenfreien Livestream der Veranstaltung anbieten. Zum Livestream gelangen Sie hier.

Um 1900 blühten Reichtum und Fortschritt in der Stadt am Main. Davon profitierte auch die Kultur: Das neu erbaute Opernhaus und ein vielfältiges Konzertleben bescherten den Frankfurtern jeden Abend wunderbare Musikerlebnisse. Doch dann kam der Erste Weltkrieg und brachte Hunger und Not auch über Frankfurt. Im Saalbau gaben sich zwar weiterhin Künstlerinnen und Künstler ersten Ranges die Klinke in die Hand. Doch wer das Elend auf den Schlachtfeldern gesehen hatte (wie der Maler Max Beckmann), war für immer traumatisiert. Der Zusammenbruch des Kaiserreiches hatte gravierende Folgen nicht nur für das Leben, sondern auch für die Kunst. Die Geburt der Moderne – Expressionismus, Atonalität, Jazz – vollzog sich unter Schmerzen, aber auch als lustvolle Befreiung von alten Traditionen.

In der Weimarer Republik bescherte Oberbürgermeister Ludwig Landmann – ein großer Kunstfreund und erfahrener Theatermann – dem Frankfurter Musikleben einen neuen Aufschwung. Mit Clemens Krauss und Hans Wilhelm Steinberg leiteten erstklassige Dirigenten die Oper. Sie waren offen für Experimente: die Zeitoper und die Jazzoper feierten Erfolge; Paul Hindemith gefiel sich in seiner Rolle als Bürgerschreck, und Arnold Schönbergs Oper „Von heute auf morgen“ wurde in Frankfurt uraufgeführt. Außerdem nahm ein neues Massenmedium seinen unaufhaltsamen Aufschwung: Die Südwestdeutsche Rundfunk AG – Radio Frankfurt – begann 1924 ihren Sendebetrieb. Der Rundfunkpionier Hans Flesch und sein Nachfolger Ernst Schoen förderten die Neue Musik durch Auftragskompositionen. 1929 wurde ein neues Funkhaus erbaut, und mit der Gründung des Radio-Sinfonieorchesters Frankfurt unter der Leitung von Hans Rosbaud wurde ein weiteres Spitzenorchester in Frankfurt etabliert.

Der Vortrag schildert das bunte Großstadttreiben der bewegten Zwanziger Jahre mit Bildern und zahlreichen Klangbeispielen, darunter frühe Rundfunkaufnahmen von Arnold Schönberg, Erich Itor Kahn und der ersten Jazz-Klasse an Dr. Hoch’s Konservatorium.

Ulrike KienzleUlrike Kienzle © Joel Charbonneau

Dr. Ulrike Kienzle ist Privatdozentin für Musikwissenschaft und arbeitet als freie Autorin und Forscherin, als Kuratorin und Dozentin. Sie hat zahlreiche Veröffentlichungen über Richard Wagner, Franz Schreker, Robert und Clara Schumann, Giuseppe Sinopoli sowie über das Musikleben von der Goethezeit bis zur Gegenwart vorgelegt. Sie ist Ko-Kuratorin für Musik im Deutschen Romantik-Museum und Dramaturgin der Brentano-Akademie Aschaffenburg. Seit 2021 realisiert sie in der Alten Oper Frankfurt die Reihe „Kienzles Klassik: Musikseminare für Wissbegierige“. Im Auftrag der Frankfurter Bürgerstiftung hat sie die beiden Ausstellungen Drei Generationen Mozart in Frankfurt (2005) und Robert und Clara Schumann in Frankfurt (2010) kuratiert, 2013 eine Studie über die Frankfurter Mozart-Stiftung vorgelegt und 2014 ein von ihr wiederentdecktes Streichquartett von Max Bruch herausgegeben. 2019 kuratierte sie die vielbeachtete Ausstellung „Clara Schumann: Eine moderne Frau im Frankfurt des 19. Jahrhunderts“ im Institut für Stadtgeschichte. Seit 2021 erforscht sie im Auftrag der Frankfurter Bürgerstiftung die Musikstadt Frankfurt. Flankiert wird das umfangreiche Projekt von Online-Essays, Vorträgen, Konzerten und Teilausstellungen. Zum Abschluss wird sie 2026 eine zweibändige Buchpublikation vorlegen.

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Gesamtleitung: Frankfurter Bürgerstiftung
Förderer: Freundes- und Förderkreis der Frankfurter Bürgerstiftung

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