Außenansicht des Holzhausenschlösschens © Walter Dorn

Siegfried Unseld, der Verleger – Ein Porträt in Briefen

Ausstellung zum 100. Geburtstag von Siegfried Unseld

Siegfried Unseld in der Bibliothek in der Klettenbergstraße in Frankfurt am Main © Christian Höhn / Suhrkamp Verlag

Eröffnung: 26. September 2024, 18:00 Uhr, im Holzhausenschlösschen.

Öffnungszeiten


Zur Ausstellung


„Es wäre jetzt schöner, säßen wir uns gegenüber, mit oder ohne Wein, lieber mit.“
Siegfried Unseld an Max Frisch, 9. Februar 1966

„Dein Brief warf keine Probleme, nur Überlegungen auf. Es geht auch für Dich nicht um die Gefahr eines neuen Abenteuers.
Du brauchst einen Verlag …“
Siegfried Unseld an Ingeborg Bachmann, 30. März 1967

Als Student entdeckte Siegfried Unseld (1924-2002) Briefe für sich als wichtige Arbeits- und Lebensform. In ihnen ordnete er seine Gedanken. Sie begleiteten und festigten Freundschaften. Nicht zuletzt halfen sie ihm immer wieder auf seiner beispiellosen Karriere. Wichtige Förderer wie Hermann Hesse oder Peter Suhrkamp lernten ihn in der Nachkriegszeit zunächst schriftlich kennen. Auch später, als das Reisen und Telefonieren selbstverständlich wurde, legte der berühmt gewordene Verleger größten Wert auf seine Korrespondenz.

Siegfried Unseld wurde nach einer Lehre in Ulm und einem Studium in Tübingen zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten des europäischen Literaturbetriebs. Seit 1952 arbeitete er im Suhrkamp Verlag, den er von 1959 an – nach dem Tod des Gründers Peter Suhrkamp – zu einem mittelständischen Unternehmen ausbaute. Unter Unselds Leitung wurde der Suhrkamp Verlag nicht nur ökonomisch erfolgreich, sondern vor allem auch eine intellektuelle Größe: das vielleicht wichtigste literarische Zentrum der Bonner Republik.

Unseld hat früher als die meisten seiner Kollegen auf wichtige intellektuelle Strömungen, Moden und ökonomische Entwicklungen reagiert und entwickelte den Suhrkamp Verlag zu einem Ort literarischer, politischer und wissenschaftlicher Debatten: Suhrkamp machte die Gesellschaftskritik der Frankfurter Schule populär und die Stimmen verfolgter jüdischer Autoren, etwa von Walter Benjamin, Ernst Bloch und Nelly Sachs, wieder hörbar. Suhrkamp lenkte den Blick auf die Literaturen Lateinamerikas und Osteuropas. Suhrkamp prägte mit seinem wissenschaftlichen Programm den akademischen Unterricht ebenso wie die studentischen Diskussionen um 1968 und danach. Unseld verstand es, ein enormes Themenspektrum abzudecken und unterschiedlichste Strömungen und Tendenzen unter dem Dach seines Verlags nebeneinanderzustellen und zur legendären „suhrkamp culture“ (George Steiner) zusammenzuführen.

Seit 2010 wird im Deutschen Literaturarchiv das Siegfried Unseld Archiv (SUA) erschlossen und erforscht. Es umfasst die Archive des Suhrkamp Verlags, des Insel Verlags (1963 von Unseld übernommen), des Jüdischen Verlags sowie des Deutschen Klassiker Verlags. Hinzu kommen die persönlichen Nachlässe der Verleger. Mit über 11.000 Archivkästen gehört das SUA zu den umfangreichsten und bedeutendsten Beständen zur Literatur des 20. Jahrhunderts. Maßgeblich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert konnten bis Ende 2023 etwa 132.000 Dokumente und Konvolute aus dem SUA erfasst, beschrieben und ausleihbar gemacht werden. Vollständig erschlossen aber sind die Bestände damit noch lange nicht.

Zwischen 2010 bis 2014 wurden Fundstücke aus dem SUA in der Ausstellungsreihe „Suhrkamp-Insel“ im Literaturmuseum der Moderne präsentiert. Die Ausstellung „Siegfried Unseld, der Verleger – Ein Porträt in Briefen“ rückt zehn Jahre später das beispiellose intellektuelle und künstlerische Netzwerk des legendären Verlegers ins Zentrum. Gezeigt werden vor allem aufsehenerregende Korrespondenzen mit Kolleginnen und Kollegen, Freunden und Bekannten wie Ingeborg Bachmann, Djuna Barnes, Samuel Beckett, Ignatz Bubis, Hans Magnus Enzensberger, Max Frisch, Hermann Hesse, Henry Kissinger, Cees Nooteboom, Helmut und Loki Schmidt und Peter Suhrkamp.

Für die Ausstellung zu Unselds 100. Geburtstag wurden 100 seiner weit über 50.000 Briefe ausgewählt. In ihnen spiegeln sich nicht nur Unselds Karriere, seine Ideen, sein kaufmännisches Geschick und seine verlegerischen Ziele, sondern auch die Literatur- und Kulturgeschichte der Bundesrepublik bis zu seinem Tod 2002.

Korrespondierend zur Ausstellung erscheint im Suhrkamp Verlag die Edition Siegfried Unseld: Hundert Briefe. Mitteilungen eines Verlegers 1947–2002 (hrsg. von Ulrike Anders und Jan Bürger, 300 Seiten, Erscheinungstermin: 23.09.2024).

Ab Herbst ist die Ausstellung in Teilen im Foyer des Holzhausenschlösschens zu sehen.

Die Eröffnung findet am 26.9.2024, zwei Tage vor dem 100. Geburtstag Siegfried Unselds, statt.

Veranstaltungen


Im Veranstaltungsprogramm der Frankfurter Bürgerstiftung wird die Ausstellung begleitet durch drei Lesungen der Reihe Salon kontrovers: Briefe – schreiben und lesen (Förderer: Dr. Marschner-Stiftung):

Sonntag, 29. September 2024, 11:00 Uhr
Salon kontrovers: Briefe – schreiben und lesen
Aus dem Briefwechsel zwischen Siegfried Unseld und Thomas Bernhard

Montag, 7. Oktober 2024, 19:30 Uhr
Salon kontrovers: Briefe – schreiben und lesen
Aus dem Briefwechsel zwischen Siegfried Unseld und Wolfgang Koeppen

Montag, 18. November 2024, 19:30 Uhr
Salon kontrovers: Briefe – schreiben und lesen
Unveröffentlichte Briefe von und an Siegfried Unseld

Eine Ausstellung des Deutschen Literaturarchivs Marbach, der Frankfurter Bürgerstiftung und des Suhrkamp Verlags
Förderer: Adolf Christ Stiftung, Ernst Max von Grunelius-Stiftung, Freundes- und Förderkreis der Frankfurter Bürgerstiftung

Ernst Max von Grunelius-StiftungFreundes- und Förderkreis der Frankfurter Bürgerstiftung